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 You either love Bayern or you hate them. They have created something perfect - everything fits. They are a power in global football 
Mia San Mia.

(via die-fabelhaften)

Das Fußballgottgen liegt einfach in der Familie Schweinsteiger

FC Bayern 2014/15

openflair:

Feuerwerk am See und alle so: Ooooooooohhhhhhh ❤️ jetzt gibts @zebraheadofficial und danach @madsenbande #openflair

arabellaofsunspear:

does Basti has a big sign on his forehead saying “KNOCK ME DOWN”?? No? Then stop beating him up… jesus…

Bastian. Schweinsteiger. Braucht es mehr Worte? Ja. Ca. 3000 mehr. Eine der außergewöhnlichsten Karrieren, die der deutsche Fußball kennt. Die gewürdigt werden will. Einmal mehr. Einmal noch. Die definitive Geschichte. Von Schweini zu Herrn Schweinsteiger zum Kampfschweini. Vom Sonnyboy zum seriösen Führungsspieler. Vom Drama dahoam zum Wunder von Maracana. Und vom Weg dahin. Über Puderzucker, Alm, Geißböcke, Wettskandale. 12 years a king!
19.05.2012: (K)ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben
Die Beine aufgestemmt und doch käferartig liegen sie da. Leer, ausgepumpt. Die Hände sind vor das Gesicht geschlagen. Nein, das Antlitz ist in den oberen Extremitäten vergraben. Weil es kein Loch gibt, in dem man versinken könnte. Ikonen der Verzweiflung. Olic, Boateng und andere. Die Trauer trägt rot. Ein Luftbild des Schreckens. Mittendrin ER. Der Schweini, der Herr Schweinsteiger wurde. Mimik, Körperhaltung entsprechen der seiner Teamkollegen. Doch der Oberaudorfer ist mehr. 785 Tage vor Maracana ist Bastian S. aus M. die Verkörperung einer verlorenen Generation. Gold, das nie glänzte. Silber, das nie gestemmt wird. Die großen Spiele, die immer irgendwie die anderen gewinnen. Italien. Spanien. Inter. Chelsea. Dortmund. Repräsentant des Übergangs von Rumpelball zu Kloppschem Gegenpressing. Besiegt von einer Sammlung mediokrer, überteuerter Betonmischer. Im eigenen Stadion. Dahoam und doch ohne Heimat.
Minuten vorher hatte er den Anlauf verzögert. Der Stemmschritt. Das panische Aufblicken. Warten auf die Reaktion eines Torwarts, der alles, aber kein Elfmeterkiller ist, und doch immer richtig (f)liegt an diesem Abend. Die Fingerspitzen des Petr Cech, der Innenpfosten. Die Eier verloren im Schlund der Angst, ein Unvollendeter zu bleiben. Wochen vor der Geburt des Bastian Schweinsteiger hat zum ersten und einzigen Mal eine Mannschaft zu Hause ein CL-Finale verloren. Roma non eterna. Nicht mehr. Braucht es mehr Beweis, dass diese Generation nicht zum Gewinn der ganz großen Trophäen bestimmt ist? Drogba muss noch. Aber das Klatschen des Kunstlederballs an Aluminium genügt. Der klirrende Beweis: Schweinsteiger ist kein Beckenbauer, kein Effenberg, nicht mal ein Breitner. Als der Ivorer hundeschnauzenkalt aus der Ahnung Gewissheit macht, geht Schweini in Käferhaltung. Eine Chance, die nicht wiederkommen wird. Nicht wiederkommen kann. Eine Karriere mit bis dahin fünf Doubles als verpasste Gelegenheit. 2012 als Makel, eine Zahl als Fanal. Wembley ist ein Luftschloss, Maracana ist nur ein Stadion in Belgrad. Bastians Zeit ist vorbei. Mit 27. Ein Tiefpunkt. Neun Jahre, drei Monate, achtzehn Tage nach dem Startelfdebüt. Auf der Alm, da gab’s koa Sünd’.
01.02.2003: Rot an den Füßen
Kein Großer bei großen Aufgaben? Die Prüfung bei Arminia Bielefeld ist nicht die größte für Bayern, aber die erste große für Schweinsteiger. Leader Ballack verhindert, die defensive Planstelle vakant. Der 18-Jährige darf ran. Schweini-Time. Hinterher muss Hargreaves trösten und Hitzfeld mit reichlich Honig um den Mund einen “Lichtblick für die Zukunft” verheißen. In der Zentrale, gesteht der Teenie, seien Raum und Zeit beengt, die Bewegung fließt, der Bart sprießt. Noch lange nicht. Sprießt er heute? Egal. Vielleicht, grübelt der Bub in Bielefeld, sei die Außenbahn ja doch der bessere Platz für ihn.
Die Journaille berichtet über “Sebastian Schweinsteiger”, der höchstens ins Auge sticht, weil er rote Fußballschuhe trägt. Wenn der “Lichtblick für die Zukunft” nur wüsste: Rote Schuhe, roter Verstand, rote Seele. Bayern-rot. Zu viel Pathos? Ach was!
11.12.2010: Rot im Herzen
Pauli ist da, das kommt nicht oft vor. Beim letzten Besuch spielt Ciriaco Sforza auf der Position von Schweinsteiger, eine flüchtige Episode. Der flippige Schweini hat längst die Genese zum legeren Herr Schweinsteiger hinter sich. Die Fans rufen ihn “Fußballgott”, und als er mit Mikrofon auf dem abgedunkelten Feld steht, toben sie vor Freude. München bis 2016. Mein Herz ist rot, sagt er. Weißt du noch, damals, ein Wintertag in Bielefeld? Wie romantisch.
München ist längst eine dieser Städte geworden, in denen 25.000 ins örtliche Stadion strömen würden, wenn die Lichtanlage getestet wird. Das war mal anders, und Schweinsteiger kennt diese Zeiten noch aus eigenem Erleben.
04.02.2003: Mäh!
12.000 Zuschauer. Doch doch, das gab es mal beim FC Bayern, ist gar nicht lange her. Viertelfinale im Pokal, gegen Köln. Die kecken Gäste schicken sich an, den Favoriten auf die Rutschbahn der Eishalle namens Olympiastadion zu befördern. Tatsächlich gefrieren dem Geißbock die Gesichtszüge. Und ein bisschen Uli Hoeneß, weil dieser neumoderne Schweinsteiger sein erstes Tor für Bayern überaus prätentiös beklatscht, mit Talismann, den er aus dem Handschuh zieht und vor die Südkurve hält. Der Manager fühlt sich bemüßigt, den Jungspund an seine Berufswahl zu erinnern: Fußballer, nicht Schauspieler. Schweinsteiger netzt noch einmal, geriert sich nicht und wird nie wieder zwei Tore in einer Partie schießen. Kölns Probleme sind anderer Natur: 0:8.
13.04.2011: Ein Mittwoch in Hamburg
Viel später wollen Journalisten ganz anderes mimisches Talent in Schweinsteiger erkennen. Ein Vorgesetzten-Darsteller sei er, ein “Chefchen”. Als Drogba Neuer verludt, war Christian Falk ein Prophet. Der Chefautor des Großbuchstaben-Schwesterblattes hatte ein Jahr zuvor vom Mikro-Boss BS31 geschrieben. Die nicht sonderlich kreative Wortschöpfung verfolgt Schweinsteiger. Bis heute. Wo war der damals noch Unbekümmerte gegen Italien in Dortmund 2006? Was tat er, um Oliver Kahns schmachvollen Abgang von der internationalen Fußballbühne zu verhindern? 2008, gegen Sankt Petersburg. Das CL-Finale von Madrid, die Duelle gegen die Bienen-Nemesis. Wenn das Geld auf dem Tisch liegt, passt Schweinsteiger. Taucht ab. Große Spiele werden von großen Spielern entschieden. Wer große Spiele nicht entscheidet, ist kein großer Spieler. Er ist nicht mal Chef. Er ist Chefchen. Einer von vielen. Ein Gernegroß. Ein Ein-Mann-Bayer-Leverkusen. Ein Ballack 2.0. Ein Nichts.
Ist die “Chefchen”-Debatte nur kleingeistige Rache für mangelnde Kooperation mit Springer? Der Topos ist in der Welt. Die großen Finals sind seine Bühne nicht. EM 2008, WM-Halbfinale 2010. Der “Basti” ist nur das, ein Leader wird er nicht mehr. Ein “Pisser” sei, wer ihm das nachsagt. Der Kraftausdruckkonter wirkt hilflos. Er fühlt sich ertappt, meinen die, die ihm nichts Gutes wollen. Es spielt ohnehin keine Rolle, ob er etwas sagt und was. Die Boulevard-Spirale dreht sich. Schweinsteiger ist die berühmteste Sau, die durchs Sportdorf getrieben wird. Jede News ist gute News. Zur Not liefert der “Chefreporter” Hinko sie selbst. Noch während der WM 2014 wird Khedira protegiert. Nicht aus Überzeugung. Der vermeintliche Feind von Coenens Feind ist Coenens Freund. Einer der erfolgreichsten Spieler des Landes wird an die Schwelle eines ständigen Abgrundes geschrieben. Den vermeintlich letzten Schritt macht Schweinsteiger selbst im Mai 2012. Die meisten Fußballer werden nie ein CL-Finale spielen. Aber für den Hochbegabten ist ihr Gewinn reine Pflicht, die sich aus Talent ergibt. Meint Falk. Luxusprobleme für einen, dem einst fast der Medizinball verweigert worden wäre, wie ausrangierten Bachelors die Rose.
15.07.2004: Blind Date
Ein gewitzter Gedanke, fürwahr, die Kür vor der Pflicht, das schindet Eindruck. Schweinsteiger beginnt das Training vor dem Kalender. Territorium abstecken. Schrecklich borniert soll er sein, der Neue an der Seitenlinie, ein Zuchtmeister militärischer Prägung. Van Gaal liegt noch in weiter Ferne. Der Retter der Titanic (Fjörtoft) muss den Münchner Kahn vom Dreck zweiter Plätze befreien. Schweinsteiger ist mit 19 Jahren zur EM gefahren. Sebastian nennt ihn keiner mehr, sondern Schweini. Er ist flott frisiert und noch immer der Lausbub mit Charme. Die Fans lieben ihn, die Experten preisen den Hoffnungsträger der Post-Rudi-Rumpeltruppe. Schweinsteiger ist ein kleiner Star. Als er Felix Magath zum ersten Mal begegnet, erkundigt sich dieser nach seinem Namen.
07.12.2002: Der verspätete Niko-laus
Lange ist er ja auch noch nicht dabei. Runde 18 Monate vorher: Niko Kovac geht. Stuttgart. Der FC Bayern führt 3:0 nach 83 Minuten. Drei Punkte eingetütet. Weihnachtsmeisterschaft so gut wie sicher. Wer ahnt, dass hier der Startschuss zu Fußballgeschichte gegeben wird, der möge die Lottozahlen von 2026 mitteilen. Ein - wie es Zug der Zeit ist - teilblondierter, schüchtern und spitzbübisch zugleich blickender gerade vier Monate Volljähriger kann gefahrlos Bundesligaluft schnuppern. Ottmar Hitzfeld gibt den Startschuss. Der beste Fußballer seiner Generation beginnt den langen Marsch. Den Weg, der rund eine Dekade später in die Tiefen von München und auf die Höhe von London führen wird. Der so holprig ist, dass es rumpelt. Und immer, wenn das Spalier der Schulterklopfer zu dicht zu werden droht, wird er eisig pfeifen, der Wind des Orakels vom Starnberger See.
27.05.2009: Mahner und Mentor
“Man muss ihm die Frage stellen, ob er weiterhin nur ein Mitläufer sein will. Ich hoffe, dass er seine Situation realistisch einschätzt und endlich mal der Mannschaft seinen Stempel aufdrückt. Es kann nicht sein, dass Bastian Schweinsteiger nur einer von vielen beim FC Bayern ist. Er muss auffallen!”
Schweinsteiger fällt nicht besonders auf in jenen trüben Tagen. Er wird auch in den Folgejahren kaum glänzen, nein: Er lässt glänzen. Früher setzt er schwarze Fingernägel in Szene, Pelzmäntel und - très chic! - den silberblonden Haaransatz; später, als die Schläfen grau und der Vortrag erhaben werden, Mitspieler und Gesamtgebilde. Robben. Götze. Wembley. Rio. In den Katakomben des Maracana gibt der Weltmeister ein Fernsehinterview. Er ist völlig aufgedreht, schunkelt Arm in Arm mit Podolski, der früher mal Poldi hieß und heute immer noch heißt. Vielleicht ist er deshalb nurmehr Ersatzspieler. Schweinsteiger grüßt sämtliche Blutsverwandten, die ihm in den Sinn kommen, er lacht und flachst und blödelt und grinst. Und dann wird Schweinsteiger ernst und dankt dem Mann, der viele seiner Wege geebnet hat: Uli Hoeneß.
27.04.2008: Oh Captain, My Captain
Wege auch zur Binde. Mitten im Spaß-Fußball au francais. Podolskis Zuspiel nimmt Ribéry an der linken Außenlinie auf. Drei Schritte Anlauf, ein Strahl, der flattert. “Es ist Kasperletheater in München. Und der Kasper heißt Franck Ribéry” (Marcel Reif), naja und ein bisschen Michael Rensing, der seinen ersten Bundesliga-Assist feiert, nicht Schweinsteiger. Der Li-la-Laune Spieler macht einen Schritt Richtung Seriosität. Kahn wird geschont, Sagnol ausgewechselt, Lahm ist dienstjünger. So wird Schweinsteiger Kapitän des Rekordmeisters. Nur für ein paar Minuten zwar, und doch ein vorläufiger Höhepunkt einer keineswegs schnurgeraden Entwicklung.
Ein kleiner, fast unbedeutender Schritt aus der Lausbubenecke im Frühling vor sechs Jahren. Unmerklich fast, dem Zufall geschuldet. Die EM 2008 gilt heute als das misslichste Turnier unter Joachim Löw. Doch das Jahr vor Klinsmann in München ist auch Schweinsteigers Jahr. Auf den ersten Blick immer noch der blondierte Spaßkicker mit der Glamour-Freundin. Vom Portugal-Spiel im Viertelfinale bleibt der Schland-Cowboy-Hut, aber auch die Erkenntnis: Dieser vermeintliche Schönwetterkicker ist zu Höherem berufen. Löws Vorgänger wird im Verein den Frustbeschleuniger geben. Es wird van Gaal brauchen, aus dem Außenläufer das bayerische Zentralgestirn zu machen. Eine Versetzung mit Fernwirkung, auch für “Schland”. Aus den Untiefen der letzten Völler-Tage zur Galionsfigur der Löw-Ära. Es begann auf dem Betzenberg.
06.06.2004: Loddar, Wunder-rematch, wilde 13
Nur Mut, Oliver Kahn ist 50 Meter weg. Thomas Brdaric muss keine Todesängste verspüren, als er retten soll, was längst nicht zu retten ist. Die stolze Nati, vorgeführt durch Lothar M., 50 Jahre nach dem Wunder von Wankdorf in der Gedenkstätte des Fritz Walter. Au weia. Bastian Schweinsteiger hat die Nummer 7 auf dem Rücken kleben, stopft sich akkurat das Hemd in die Hose und joggt neben Brdaric auf den Rasen. Wörns spielt in der Abwehr, Hamann im Mittelfeld, Bobic im Sturm. Bis Rio sind es noch zehn Jahre.
Zwei Jahre nach dem Testkick gegen Ungarn macht Schweinsteiger das, was viele bis zum Sommer do Brazil sein bestes Länderspiel nennen. Nie glänzte die goldene Ananas schöner als in Stuttgart 2006. Zwei Tore im Spiel um Platz drei. Ein Höhepunkt des Sommermärchens. Mit rechts von links in die Mitte, ein Hieb wie ein Pferd, eine Feier wie bei einem echten Finale. Aber die Rolle als Robben für Einkommensschwache wird ihm zu eng werden wie die Trikots des Niederländers.
20.09.2008: Rück-Tritt
Das Vorbild steht nur wenige Meter daneben, in dieser roten Trainingsjacke und dem aschfahlen Gesicht. Der Ex-Torjäger hat weiland einem asiatischen Batteriehersteller zu Berühmtheit verholfen, ein Tritt gegen den Frust, das tat weh, das tat gut. Elf Jahre danach ist Jürgen Klinsmann wieder schlecht gelaunt. Spielstand 0:5. Daheim. Gegen Bremen. Als Schweinsteiger entnervt zum Einwurf trabt, liegen Ball und Bande in Griffweite. Hartpappe ist Elektro gewichen, Tritte bringen nichts. Er sucht ein Ventil. Der Ball mit Wucht gegen das LED, jaha, das wär’s jetzt. Der plumpe Ausrutscher taugt als Symbol: Selbst Wutentladung mündet in Lächerlichkeit.
Wahrscheinlich denkt Bastian Schweinsteiger nicht mehr an seine Weissagung von Bielefeld 2003, die linke Außenbahn ist ihm überdrüssig geworden. Oder er zu behäbig für den Sprint, sollte die Tachonadel jemals für Flankenläufe geeicht gewesen sein. Es ist eine festgefahrene Situation. Fünf Spiele wird Schweinsteiger zum Saisonende unter Jupp Heynckes bestreiten, fünfmal losgeeist von sturen Dribbelzwängen. Die neue Mitte. Die es zu finden gilt. Zur Not mit ledrig verstärkten Hieben.
13.01.2007: Zuckerbrot und Puderzucker
Da ist er wieder, Hoeneß, der Antizyklische. Ein Regulator für die Realität. Im Misserfolg die Seele tätscheln, dafür vehement erden, wenn die Beinchen gen Himmel zappeln. So funktioniert das bei Schweinsteiger, als dieser noch ein Luftikus ist, so war die Abmachung mit Mehmet Scholl, den Hoeneß zum Sonderbeauftragten bajuwarischer Fußballvirtuosität erhob. Es gab nicht viele von dieser Sorte. Hoeneß abstrahierte Scholls Anteil an gloriosen Leistungen, um plötzlich wie von Sinnen zum Stadionsprecher zu stürmen, damit dieser bei der Verkündung des Torschützen “die herausragende Vorarbeit von Mehmet Scholl” würdige. Puritanische Neunziger, Schweinsteiger lernte und verstand. Zuckerbrot und Peitsche, oder: Zuckerbrot und Puderzucker.
25.05.2013: Der Vollendete
Es lohnt sich. Der Puderzucker wäre nur die kitschige Garnitur gewesen, auf der Themen-Torte zum britischen Frühlingsmärchen. Vier Jahre, drei Finals. Kontinuität als Fluch oder als Basis? 12 Jahre warten die Bayern auf den Henkelpott, das Ding mit den großen Ohren, die hässlichste schönste Trophäe im Fußball. Warten auf die Erlösung. Wann, wenn nicht jetzt, nach dieser Übersaison? Ausgerechnet der letzte Schritt gegen Dortmund soll ein zu großer sein?
Dieses Finale 2013 ist nicht das des Bastian Schweinsteiger. Er prägt es nicht spielerisch, er hat wenige spektakuläre Szenen. Er ist beteiligt daran, dass Dortmunds Anfangsoffensive besser kontrolliert wird. aber das ist was für Taktiknerds, nicht für Geschichtsbücher. Er steht damit in einer Reihe der ganz Großen. Matthäus prägt die WM 1990. Das Finaltor schießt ein anderer. Mexiko 86 ist Diego A. M. Aber im Finale netzt er nicht. Das Golden Goal von 1996 erzielt nicht Sammer, nicht Klinsmann. Ein Italienlegionär, den Frau Vogts in den Kader gesungen haben soll, schießt Deutschland zum EM-Titel. Wembley ist Robbens Finale, wird es immer bleiben.
Der Niederländer sorgt für die Krönung der Generation Lahm/Schweinsteiger auf Vereinsebene. An diesem Abend passt alles. Ribéry verliert die Nerven, aber nicht das Spielrecht. Dante entgeht dem Platzverweis. Wenn Boateng, der Franzose und der Holländer diese Szene in der 88. Minute ohne Gegenspieler noch 1000 Mal proben, sie würde nicht wieder so gelingen. Bayern ist dran. Schweinsteiger ist dran. Der Mount Everest des Vereinsfußballs ist bestiegen. London, Endstation Sehnsucht. Der Pott als Teil des Triples gegen das Schreckgespenst der vorangegangenen Jahre. Es ist ein vollkommener Moment, die Vollendung eines scheinbar ewig Unvollendeten. Der ewige Zweite war gestern. Die Schatten von 2012 werden kürzer. 2006 ist ohnehin verblasst. Eine letzte Rückblende. 84 Monde vor Wembley wollten sie aus dem König von Bayern das Café King von München machen. Aber nicht mit Hoeneß…
16.03.2006: Wetten, dass..?
Er spielt ja noch nicht einmal Karten! Der Einheimische unter den Großkopferten, Ober, Unter, kein Schweini. Der Peruaner zockt mit dem Paraguayer, der Holländer mimt Pokerface, der Bosnier plustert vor Lachen die Backen und Jens Jeremies verliert. Muss lustig gewesen sein, diese Runde. Aber Schweinsteiger, der Bayer, der fehlt.
Und dann das: Wettskandal. Beschuldigter. Mit zwei Löwen-Spielern. Schweinsteiger, der Nicht-Schafkopfer. Eine Münchner Tageszeitung lässt den diabolischen Sa-tz vom Leder, in Bayerns Kabuff beschlagen die Scheiben. Drei Monate vor der WM, drei Tage vor Schalke 04. Eine Rufmord-Kampagne flirrt durch die bleierne Luft. Unterlassungserklärung! Widerruf! Gegendarstellung! Schweinsteiger, 21-jährig und den dicken Schal zum Modezar drapiert, äußert sich verschnupft. Grippe. Er fehlt beim Schafkopfen, er fehlt gegen Schalke. Der plusternde Bosnier, der ewige Peruaner und der coole Holländer treffen. Die Tageszeitung säubert ihre Redaktionsräume.
13.07.2014: Olymp
Ein Wettskandal ist kein Spiel, ein WM-Finale mehr als das. 120 Minuten, die Geschichte atmen. In vierzig Jahren hat kein deutscher Champions-League-Sieger den WM-Pokal gestemmt. Als Philipp L. die Goldelse des internationalen Fußballs in einer mitreißend ungelenken Zeremonie von Brasiliens verfemter Präsidentin entgegennimmt, ist Beckenbauer nur noch ein Dampfplauderer. Lahm ist der Kapitän. Götze erzielt das Tor. Aber Schweinsteiger ist der Anführer dieser Mannschaft. Er verkörpert dieses Team, steht stellvertretend für den Weg aus der Dunkelheit der Ribbeck-Ära in das Licht der Generation Löw. Der Generation, die wie Schweinsteiger war. Hochbegabt, gefeiert, vergöttert, unvollendet. Spielerisch talentiert ohne Killergen. Zwei Stunden und drei Minuten genügen, um jahrelange Zweifel zu besiegen. Niederzukämpfen. Stromberg würde sagen: “Ein Finale ist wie UFC. Nur mit Regeln!” Schweinsteiger spielt lange wie immer. Bedacht, taktisch klug, irgendwie unauffällig. Er macht nicht alles richtig, aber fast nichts falsch.
Als die Verlängerung anbricht, beginnt die Heldensaga. Schweinsteiger wird, was der Stammtisch “Typ” nennt. Aus dem Käfer von München wird das Stehaufmännchen von Maracana. Tritte auf den Knöchel? Weiter! Faust ins Gesicht? Tacker, weiter! Bodycheck im Luftkampf? Immer weiter! Gefällt werden und aufstehen in Endlosschleife. Als Rizzoli abpfeift, liegt Schweinsteiger nach einer der zahllosen, brutalen argentinischen Attacken. Geschlagen, nicht besiegt. Triumph am Boden. Ein Spieler als Verkörperung der menschlichen Urgewalt namens Wille. Schweinsteiger brüllt nicht, tritt nicht, gestikuliert nicht. Er geht voran. Er will einfach. Mit jeder verletzten, geschundenen Faser seines Körpers. Er zeigt an: diesen Titel nimmt uns, nimmt mir keiner. Kein Messi. Kein Higuain. Kein auf seiner Generation lastender, obskurer Fluch. Niemand und nichts. Das Chefchen ist Boss. 785 Tage nach “Dahoam”. Der 19.05.2012 als Startschuss für den letzten Anstieg. Vom Hades des ewigen Zweiten in den Olymp der größten Champions der deutschen Fußballgeschichte. Mit 29. Einzig. Nicht artig. Gekrönt. Vollendet. Schweinsteiger.

Endlich geht’s wieder los — mit Bastian Schweinsteiger.

Manuel Neuer via Facebook

(via funsteiger)